Der (eigentlich billige) Luxus des langen Lebens
Soll es nur die Pille sein für 1250 Dollar, oder gleich die große Kreuzfahrt ins Glück, mit Stammzellen-Infusion, Botox-Behandlung und Hormontherapie für lumpige 44.000 Dollar (PR-Foto)? Longevity ist Trend, und natürlich Big Business. Die Medien schüren den Hype, geschäftstüchtige Professoren scheffeln Millionen. Und vertrauensselige Jünger mit chronischer Kontoverstopfung bringen gern ihr Opfer, um ein paar Jährchen auf Erden bleiben zu dürfen. Das Modell sind die „Blauen Zonen“ von Okinawa bis Sardinien, wo die Leute besonders lang leben. Ob die Altersangaben dort alle so genau stimmen, wird neuerdings bezweifelt. Unbestritten aber ist ihr Erfolgsrezept: Gut essen, sozial leben, und an etwas Größeres glauben. Das ist übrigens nicht das Geld: Denn die fröhlichen Hundertjährigen dort sind eher arm, im materiellen Sinne. Und Dankbarkeit, meldete gerade diese Woche die Harvard Universität, verlängert überraschenderweise auch das Leben.
Alte Hasen beim neuen Ernährungsrat
So ganz allein kann man sie ja nicht lassen, die „zufällig“ ausgewählten „Bürger“ im neuen „Bürgerrat Ernährung“ der deutschen Bundesregierung. Wie gut, dass alte Hasen sie da unterstützend begleiten! Der sympathische Professor Hans Konrad Biesalski zum Beispiel (Foto links), eine lebende Legende als wohl größter Glutamat-Verharmloser im Lande. Und auch der unvergleichliche Privatdozent Thomas Ellrott, wissenschaftlicher Leiter der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), Sektion Niedersachsen, Mitglied des "NGO-Beirats" von Nestlé Deutschland - und vor allem (Muster-) Schüler sowie Nachfolger des unvergessenen, leider viel zu früh verstorbenen Ernährungspapstes Professor Volker Pudel (»Wenn man sich nur von Gummibärchen ernähren will – no problem.«). Guter Rat ist Gold wert!
Fertige Tortillas: für Herz und Nieren nicht so gut
Sie sind ziemlich beliebt, die fertigen Tortillafladen, die regalweise in den Supermärkten liegen. Aber leider eine Gefahr für Herz und Nieren. Der Grund: Zu viel Phosphat und Aluminium. Der Befund der Forscher, eben herausgekommen, ist bedenklich. Es ist erst ein „Preprint“, wie sie in der Forschung sagen, wenn eine Studie noch genauer begutachtet werden muss. Aber schon ein Blick auf die Zusatzstoffe zeigt: Es wimmelt da nur so von E-Nummern. Die halbfertigen Fladen müssen ja auch monatelang halten, plastikumhüllt, ungekühlt. Und da hilft nur die Chemie. Warnhinweise gibt’s leider keine.
Bombardiert mit Fastfood: Dicke Kinder im Libanon
Wir denken da eher an Terror und Krieg, doch die Kinder im Libanon werden zu allem Überfluss auch noch mit Fastfood bombardiert: Fast die Hälfte dessen, was sie verspeisen, sind „ultra-verarbeitete“ Produkte. Fastfood, Softdrinks, Fertiggerichte. Die Studiengruppe mit Medizinern aus Beirut, Katar und den USA hatte ermittelt, was die Kinder im Alter zwischen sechs Monaten und fünf Jahren zu sich nehmen und nach dem NOVA-Klassifikationssystem analysiert. Wie in ärmeren Ländern üblich, lagen vor allem die Kinder aus wohlhabenderen Familien beim Fastfood vorn – und waren folglich auch dicker als die anderen. Die Forscher forderten „ernährungspolitische Maßnahmen“, um die Situation zu verbessern. Wenigstens an dieser Front.
Bill Gates und sein Zauberstab
Der größte Wohltäter der Welt hat sich diese Woche in seiner Rundmail gemeldet. Er sorgt sich so um die Unterernährung von Kindern vor allem in armen Ländern Afrikas. Wenn er einen Zauberstab hätte, verkündete er in einer Videobotschaft (Screenshot: YouTube), würde er ihnen allen auf einen Schlag helfen! Er propagiert zusätzliche Vitamine in den Brühwürfeln, die dort vielerorts Grundnahrungsmittel seien. Grandiose Idee! Die Vitaminkonzerne sind dabei, die großen Weltorganisationen ebenfalls - so ist allen gedient. Außer vielleicht den Bedürftigen in Afrika und anderswo, die immer noch nichts Anständiges zu essen haben. Denn die Hauptursache für Hunger und Mangelernährung, so die katholische Hilfsorganisation Misereor diese Woche aus Anlass das nahen Erntedankfests, ist: Armut.
Seltene Essstörung
Er hatte Büroklammern im Bauch, diverse Schlüssel, Schraubenzieher, Gabeln, Löffel, insgesamt unglaubliche 400 Gegenstände. Alles verschluckt. Für das Ärzteportal Medscape war es ein skurriles Rätsel: Was war bloß mit dem Mann los? Italienische Mediziner hatten den Patienten untersucht – und eine seltene seltene Essstörung diagnostiziert: Das sogenannte Pica-Syndrom. Es kommt bei Menschen mit geistigen Behinderungen vor, auch bei extrem vernachlässigten Kindern - und bei Menschen mit Mangelerscheinungen. Sie greifen dann genau zu dem, was ihnen fehlt. Büroklammern gegen Eisenmangel. Interessant, dass der Körper weiß, dass das, was ihm fehlt, ausgerechnet da drinsteckt.
Thunfisch: Billig ist besser
Es sei das „nahrhafteste Nahrungsmittel, das es gibt“, meldete die New York Times diese Woche. Proteine, Mineralien und Vitamine, ein bisschen Omega-3-Fett. Aber: Es kann auch Quecksilber drin stecken. Das wandert ins Gehirn; Liebhaber von Meeresfrüchten hätten mehr davon in ihren grauen Zellen. Die gute Botschaft: Es hängt auch von der Größe ab, und die kleinen Fische seien weniger belastet, der sogenannte Bonito, zum Beispiel. Selig die Armen, die nach den billigen Büchsen greifen, ihr Geist bleibt klarer.
Pflanzenbasiert, aber ungesund
Wir sollten uns „pflanzenbasiert“ ernähren, so predigen uns zur Zeit die Ernährungspäpst*innen, weil das gesünder sei. Doch darauf kommt es gar nicht an, wie jetzt eine Untersuchung aus Großbritannien zeigt. Denn die Vegetarier dort essen zwar „pflanzenbasiert“, aber zunehmend „ultra-verarbeitete“ Produkte. Und nehmen damit auch mehr Kalorien auf, der Zuckeranteil hatte sich fast verdoppelt, die Ballaststoffquote nahezu halbiert. Fazit der Forscher: Der Einfluss dieser Produkte auf die vegetarische Ernährung sei „beträchtlich“, und der Verzehr mit einer „schlechteren Ernährungsqualität“ verbunden. Dann doch lieber Artischocken, Brokkoli, Champignons. Oder die Blumen vom Wegesrand.
Geheimtipp: Sonnenblumen
Sie gehören zu den schönsten Seiten des Herbstes: die Sonnenblumenfelder an der Straße, zum Selberpflücken. Und sie sind nicht nur eine beeindruckende Erscheinung, mit ihren leuchtend gelben Blütenstrahlen und den strahlend grünen Blättern. Man soll sie sogar essen können. Wir von DR. WATSON haben natürlich sofort recherchiert. Aber wirklich geklappt hat es nur bei den Blättern. Hier sind die Rezepte, für die Sonnenblumensuppe, und fürs Sonnenblumenblättergemüse. Das ist übrigens Trend, alles zu essen, from leaf to root, also vom Blatt bis zur Wurzel. Sogar der Kopf soll essbar sein, und nicht nur die Kerne. Der Bauer vom Sonnenblumenfeld meinte, es käme auf die Sorten an, für leckere Sonnenblumenköpfe nach Art der Artischockenböden seien die grosskopfigen Sorten besser, die für Kerne und Öl gezüchtet werden. Wir bleiben dran. Sachdienliche Hinweis zu wohlschmeckenden Rezepten nimmt die DR. WATSON Versuchsküche gern entgegen (drwatsonfooddetective@substack.com). Wir sind gespannt!








